Auf der Fahrt nach Arequipa, nachts, als uns
die offenen Fenster, die wir zuvor für die Linderung der Hitze im Bus gepriesen
hatten, den Eistod versprachen und wir folglich nicht schlafen konnten, haben
Rosina und ich „Der kleine Prinz“ als Hörspiel gehört. Für mich, der nicht
damit aufgewachsen ist, war dieses Buch schon immer etwas besonderes.
Ein kleiner Prinz, von einem winzigen Planeten,
den zu umrunden es nur einige Fußschritte kostet, bewohnt nur von ihm, drei
Vulkanen und einer Blume. Der ein Abenteuer wagt und sich auf eine Reise begibt
und schließlich auf der Erde landet um einem abgestürzten Flugzeugpiloten
Gesellschaft zu leisten.
Und als wir so durch die Nacht glitten, um uns
die Ödnis der Hochwüste, kein Licht weit und breit außer den Scheinwerfern die
monoton immer die selbe gerade Straße beleuchteten, fühlte ich mich dem kleinen
Prinzen sehr nahe, der doch als Kind beschrieben, schon eine tiefe Traurigkeit
im Herzen trug.
Sein Leben der Liebe zu seiner Blume
verschrieben, die ihm doch immer nur ärgerlich zu ihm war, auf seiner Reise
begegnete er nur Großen Menschen deren Tätigkeit von für ihn nicht zu
verstehender Sinnlosigkeit geprägt war und niemand der ihn verstehen und ihm
antworten kann.
Jede seiner Begegnungen hinterließ den kleinen
Prinzen bestürzter, und doch steckt in jeder Begegnung eine kleine Weisheit.
Der König, der über alles regiert ohne, dass das Regierte einen Nutzen davon
trägt, in seiner Weisheit aber auf den Sonnenaufgang wartet um der Sonne zu
befehlen auf zu gehen. Der Eitle der nichts anderes tat als sich selbst zu
huldigen und solange der Schönste war solange er es glaubte. Der Säufer, der
trinkt um zu vergessen, dass er sich schämt das er trinkt und uns vor
Zirkelschlüssen warnt. Der Lampenanzünder dessen sinnvolle Aufgabe von einst
sich in Unsinn verwandelt hat da sich die Bedingungen geändert haben, aber die
Aufgabe nicht angepasst wurde.
Dies alles ist für den kleinen Prinzen, in dem
ich ein Kind sehe, das die Welt sieht aber nicht verstehen kann, ein Schock der
ihn tiefer in seine Traurigkeit stürzt.
Ich denke wir alle waren einst solche Kinder,
die in einer kleinen Welt gelebt haben, sicher und zufrieden und doch
schließlich auf Reisen gehen mussten und viel erlebt haben dass damals wenig
Sinn für uns gemacht hat. Heute, da wir Große Menschen sind, verstehen wir
natürlich: der König muss regieren, er muss für Ordnung sorgen, der Eitle muss
eitel sein, auf das es Menschen gibt die ihm nacheifern, der Geschäftsmann muss
Geschäfte machen und seine Sterne auf der Bank anlegen, er hält die Ökonomie am
laufen und der Lampenanzünder muss als Beamter seine Pflicht erfüllen, es ist
ja schließlich seine Pflicht.
Und so stirbt der kleine Prinz, sein Herz erfüllt
von Trauer und Unverständnis, wie auch wir irgendwann aufhören ein kleiner
Prinz zu sein und anfangen in der Welt der Großen Menschen zu gehen.
Ich vermisse ihn, diesen kleinen Jungen von
damals, der nie auf eine gestellte Frage verzichtete und mit großen Augen auf
die Welt schaute die sich vor ihm ausbreitete. Und nur wenig von dem was da vor
sich ging verstand.
Denkst du manchmal noch an den kleinen Prinzen
in dir?
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