Donnerstag, 13. November 2014

Nachtfahrt

Auf der Fahrt nach Arequipa, nachts, als uns die offenen Fenster, die wir zuvor für die Linderung der Hitze im Bus gepriesen hatten, den Eistod versprachen und wir folglich nicht schlafen konnten, haben Rosina und ich „Der kleine Prinz“ als Hörspiel gehört. Für mich, der nicht damit aufgewachsen ist, war dieses Buch schon immer etwas besonderes.
Ein kleiner Prinz, von einem winzigen Planeten, den zu umrunden es nur einige Fußschritte kostet, bewohnt nur von ihm, drei Vulkanen und einer Blume. Der ein Abenteuer wagt und sich auf eine Reise begibt und schließlich auf der Erde landet um einem abgestürzten Flugzeugpiloten Gesellschaft zu leisten.
Und als wir so durch die Nacht glitten, um uns die Ödnis der Hochwüste, kein Licht weit und breit außer den Scheinwerfern die monoton immer die selbe gerade Straße beleuchteten, fühlte ich mich dem kleinen Prinzen sehr nahe, der doch als Kind beschrieben, schon eine tiefe Traurigkeit im Herzen trug.
Sein Leben der Liebe zu seiner Blume verschrieben, die ihm doch immer nur ärgerlich zu ihm war, auf seiner Reise begegnete er nur Großen Menschen deren Tätigkeit von für ihn nicht zu verstehender Sinnlosigkeit geprägt war und niemand der ihn verstehen und ihm antworten kann.
Jede seiner Begegnungen hinterließ den kleinen Prinzen bestürzter, und doch steckt in jeder Begegnung eine kleine Weisheit. Der König, der über alles regiert ohne, dass das Regierte einen Nutzen davon trägt, in seiner Weisheit aber auf den Sonnenaufgang wartet um der Sonne zu befehlen auf zu gehen. Der Eitle der nichts anderes tat als sich selbst zu huldigen und solange der Schönste war solange er es glaubte. Der Säufer, der trinkt um zu vergessen, dass er sich schämt das er trinkt und uns vor Zirkelschlüssen warnt. Der Lampenanzünder dessen sinnvolle Aufgabe von einst sich in Unsinn verwandelt hat da sich die Bedingungen geändert haben, aber die Aufgabe nicht angepasst wurde.
Dies alles ist für den kleinen Prinzen, in dem ich ein Kind sehe, das die Welt sieht aber nicht verstehen kann, ein Schock der ihn tiefer in seine Traurigkeit stürzt.
Ich denke wir alle waren einst solche Kinder, die in einer kleinen Welt gelebt haben, sicher und zufrieden und doch schließlich auf Reisen gehen mussten und viel erlebt haben dass damals wenig Sinn für uns gemacht hat. Heute, da wir Große Menschen sind, verstehen wir natürlich: der König muss regieren, er muss für Ordnung sorgen, der Eitle muss eitel sein, auf das es Menschen gibt die ihm nacheifern, der Geschäftsmann muss Geschäfte machen und seine Sterne auf der Bank anlegen, er hält die Ökonomie am laufen und der Lampenanzünder muss als Beamter seine Pflicht erfüllen, es ist ja schließlich seine Pflicht.
Und so stirbt der kleine Prinz, sein Herz erfüllt von Trauer und Unverständnis, wie auch wir irgendwann aufhören ein kleiner Prinz zu sein und anfangen in der Welt der Großen Menschen zu gehen.
Ich vermisse ihn, diesen kleinen Jungen von damals, der nie auf eine gestellte Frage verzichtete und mit großen Augen auf die Welt schaute die sich vor ihm ausbreitete. Und nur wenig von dem was da vor sich ging verstand.

Denkst du manchmal noch an den kleinen Prinzen in dir?

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