Mittwoch, 6. Mai 2015

Du solst dir kein Bildnis machen, aber...


Irgendwann letztens an nem Montag war hier in der Schule in Oropesa „Dia de la policia escolar“ was übersetzt so viel bedeutet wie „Tag der Schulpolizei“. Man muss wissen, dass es in jeder Klasse mindestens vier Schüler gibt die quasi Klassenvorsteher sind und für Ordnung in der Klasse sorgen. Die Gesamtheit der Klassenvorsteher bilden dann die Schulpolizei. Für Ordnung sorgen müssen sie z.B. bei der Aufstellung jeden Montag bei der die Klassen in Kolonnen auftreten, die peruanische Flagge gehisst und die Nationalhymne gesungen wird.
Auf jeden Fall sind alle Klassen der Schule unermüdlich über den Hof marschiert, jede Klasse mit Flagge und Flaggenträger. Es wurden Reden gehalten, wieder ein bisschen hin und her marschiert, noch ne Rede gehalten, ihr versteht wie das weiterging. Das Militär, samt geladener Waffen, war auch anwesend, sowie die Polizei und etliche Eltern, denn dies war „ein großer Tag für alle Schüler, Lehrer, Eltern, das Dorf und ganz Peru“.
Und für mich ist das einfach komplett Unverständlich!
Mir ist klar, dass in vielen anderen Ländern die Menschen ein anderes Verhältnis zu Nationalität und Patriotismus haben. Klar wir sind „beeinträchtigt“ durch die Geschichte unseres Landes undsoweiter, aber ich kenne wirklich niemanden der so an seinem Land hängt wie ich es von den Menschen hier empfinde. Von klein auf wird einem in der Schule vermittelt, dass es nichts wichtigeres als die Patria, das Vaterland gibt.
Das Vaterland, das Militär und selbst die Nationalflagge werden hier so stark glorifiziert.
Es gibt hier sehr viele „Premilitärische Kadettenschulen“ zur Vorbereitung auf eine Karriere beim Militär oder bei der Polizei mit Namen wie „Los Heroes“, „Los honorables Invincibles“ oder ähnliche.
Wer hier beim Militär arbeitet ist automatisch eine Respektsperson, der man den Vortritt lässt. Denn wer beim Militär ist, der trägt eine Waffe, ist gefürchtet und wird respektiert. Denn eine Waffe verleiht einem Macht und jeder wünscht sich diese Macht. Tief in einem jeden von uns ist der Wunsch nach Macht, anderen seinen Willen auf zu drängen, verankert. Das Wissen, dass man anderen Menschen scheinbar übergeordnet ist ist wie ein Rausch, eine Droge. Und der Besitz einer Waffe symbolisiert dies Macht über andere.
So zumindest meine Empfindung, und ich meine ich kann das eventuell besser einschätzen, ich habe ja meine eigenen Erfahrungen mit dem Thema gemacht.
Auf jeden Fall geht mir die Glorifizierung hier doch recht auf die Nerven, besonders da ich die Realität hinter dem Bild der „Glorreichen Kämpfer für die Freiheit des eigenen Landes“ erfahren habe.
Der Arbeitsalltag der meisten deutschen Soldaten besteht zum Beispiel hauptsächlich daraus sich selbst zu beschäftigen. Natürlich gibt es auch jene die den Tag über arbeiten und etwas zu tun haben (so wie ich damals immer), nie vergessen es gibt keine Absolutismen. Aber ich habe es persönlich zu oft erlebt, dass ich bei irgendeinem Botengang in ein Büro gekommen bin und da nur einer in seinem Sessel rumgesessen ist, ich nach der Frage: „Na was hast du heute gemacht“, als Antwort nur bekommen: „N bisschen Sport und ne Dienstfahrt“. Tatsächlich gibt es innerhalb des bundeswehrinternen Chat-Netztes einen Hack um Spiele zu spielen. Ich selbst habe mal einen Soldaten auf seinem Computer Pacman spielen sehen.
In meinen Augen ist das nichts anderes als Steuerverschwendung. Steuerverschwendung aus Gründen des Prestiges.
Ein weiter Beispiel sind zum Beispiel die Dienstwägen. Unser Sanitätszentrum hatte drei Einsatzfahrzeuge. Quasi Bundeswehrkrankenwägen. Diese wurden abwechselnd ungefähr zwei mal die Woche spazieren gefahren, da es für die Fahrzeuge nicht sehr gut ist wenn sie zu lange nur herum stehen. Autos die also absolut nie benutzt wurden wurden herum gefahren damit sie nicht kaputt gehen. Außerdem gehörten diese Fahrzeuge nicht mal der Bundeswehr, sie wurden von einer privaten Firma geliehen. Und dafür bezahlen wir Steuern. Damit „Deutschland“ mit dem Besitzerstolz eines kleines Kindes sagen kann: „Ja! Wir haben auch eine Armee!“
Das Deutschland durch Waffen- und Rüstungsproduktion und -export immer reicher wird wird auch gerne übersehen. Natürlich gibt es für all diese Richtlinien und Normen, doch wer sich plötzlich im mexikanischen Drogenkrieg einer „deutschen Qualitätsarbeit“ gegenüber sieht wird sich sicherlich fragen, wie diese denn hierher kommt, offiziell werden von Deutschland ja keine Waffen an Mexiko geliefert. Deutsche Qualitätsarbeit, G36 lässt Grüßen.
Natürlich wird es immer Waffen geben, ob deutsche oder nicht aber wir müssen uns alle bewusst sein, dass Waffenexporte und Kriege, die immer Opfer fordern, zu unserem wirtschaftlichen Wachstum gehören, also uns reicher machen. Doch der Mensch ist ja , gott sei dank, ein Meister im Verdrängen. Unser Seelenfrieden und reines Gewissen sind also gesichert.

Trotzdem komme ich nicht ganz darum herum zu sagen, dass ich die „Notwendigkeit“ einer solchen Institution durchaus sehe. Nicht als Verteidigungsarmee sondern als Hilfstruppe. Man stelle sich vor in einem Land gründet sich eine militante Splittergruppe, beansprucht Land für sich, terrorisiert die Bevölkerung und setzt ihre eigene Doktrine und Rechtssprechung ein. Die Landesregierung schaut hilflos zu, machtlos, bereits geschwächt durch innere Konflikte, keine Interessengruppen die an ihrem Land interessiert sind. Sollte unser Urteil dann lauten: „Jeder muss selbst an den eigenen Problemen lernen, sie werden es schon schaffen und stärker aus diesem Konflikt hervorgehen“. Sag das zu den Menschen die da sterben, gefoltert und unterdrückt werden.
Es ist in meinen Augen richtig, dass Staaten, die die Möglichkeit dazu haben, denen es „gut geht“, hier eingreifen, unterstützen und aufbauen. Dies sollte jedoch ohne Hintergedanken geschehen, nicht wahr Mr. Busch.
Meiner Meinung nach könnte man die Hälfte der derzeit beim Bundesministerium für Verteidigung angestellten Entlassen, härtere Aufnahmebedingungen stellen und den Fokus eines militärischen Einsatzes immer auf Unterstützung und nachhaltigen Aufbau richten. Dann hätten wir eine sinnvolle Institution geschaffen.
Doch die Glorifizierung einer solchen werde ich in keinem Fall akzeptieren.






Military Fun Facts:

Die Armee der Vereinigten Staaten ist so groß und hat im eigenen Land so wenig Unterkunftsmöglichkeiten, dass zu jedem Zeitpunkt ein Teil der Armee im Ausland stationiert sein muss.

Einem Angestellte des Bundesministeriums der Verteidigung ist es verboten sich negativ über die Bundeswehr zu äußern. Dies nennt sich „Zersetzung“ und wird strafrechtlich geahndet.

In meiner Grundausbildung wurde gemunkelt, dass es in der ZDV (Zentrale Dienstvorschrift) einen Paragraphen gibt nachdem es einen Befehl „Klappspaten frei!“ gibt. Dieser besagt, dass man in einer Kampfsituation, nachdem alle Munition verbraucht ist, seinen Klappspaten raus holen soll, ein guter Soldat hat immer seinen Klappspaten dabei!, und damit den Feind attackieren soll. Dieser Befehl rührt angeblich noch aus Zeiten eines gewissen bärtigen Mannes, dessen rechte Armmuskulatur bestimmt ausgeprägter als die der Linken war. (Is natürlich Quatsch, die BW wurde erst in den 50er gegründet)

Man kann das Abfeuern eine Walter P8 dadurch verhindern, dass man den Lauf mit festem Druck blockiert. Die Spannschiene muss zum Abfeuern, über die Lauföffnung hinweg, nach vorne gleiten.

Wer in einem Fahrzeug ein Kasernengelände betreten oder verlassen will, muss im Fahrzeug seine Kopfbedeckung aufziehen. Hat der Soldat im Fahrzeug keine Kopfbedeckung auf, so wird er dazu aufgefordert und darf das Kasernengelände vorher nicht verlassen. Dies ist ein Widerspruch zur Regelung, in geschlossenen Räumen seine Kopfbedeckung  abzuziehen.


Unser ehemaliger Gastbruder der Koch beim Militär ist hat Hundeblut zu trinken und mit Schießpulver versetztes Essen vorgesetzt bekommen. Das sollte ihn wilder und schießwütiger machen.






Bilder April



















Dienstag, 14. April 2015

Ein kleines Spielchen...

Stellt euch mal vor ihr wärt hier in Peru, kalte Dusche, nur Handwäsche, keine Heizung, eine Kochstelle nur mit Feuerholz und eine durchgelege Matratze mit kratziger Decke.
Und jetzt dürft euch drei Luxusgegenstände in euer Haus wünschen. Egal was ihr euch wünscht, es erscheint auf wundersame Weise. Egal ob Kühlschrank, Fernseher, oder warme Dusche, wäs würdet ihr euch wünschen?
Schreibt mir ;)

Murmeltiertag

Es ist ja nun so, dass ich das hier auch gemacht habe um dem Alltag zu entkommen. Nicht, dass mein Alltag mich bedrückt hätte. Nein ich fühlte mich wohl und war mehr oder minder ausgeglichen. Aber trotzdem habe ich mir gedacht, dass es wohl gut wäre mal raus zu kommen, die Welt zu sehen.
Ich habe aber feststellen müssen, dass egal wo, der Alltag mich einholt. Egal wo oder wann, ich werde immer von ihm verfolgt, und schließlich schleicht sie sich immer wieder bei mir ein: die Routine. Denn das ist was wir alle fürchten und uns doch gleichzeitig wünschen. Denn so sehr wir uns auch darin ergehen und die Routine verwünschen so stellt sie doch für uns auch etwas da das wir brauchen: Sicherheit. Fast jeder wünscht sich ein sicheres und geregeltes Leben und Umfeld, das Ungewisse trägt in sich unsere Angst. Angst vor Veränderung, Zweifel und Unsicherheit. All dies ist für mich auf eine einzige Angst zurück zu führen. Angst vor Verlust. Man fürchtet sich zu verlieren was man hat, wen man hat und selbst was man sich nur hofft eines Tages zu haben. Wir klammern uns an alle Dinge die wir „besitzen“ in der Hoffnung, dass wir, solange wir besitzen, nicht selbst verloren gehen. Der Besitz definiert uns, zeigt anderen wer wir sind oder gerne wären und versucht uns Anerkennung einzuheimsen. Oh, schau an, Frau Meier besitzt zwölf paar Schuhe, sie muss ja wirklich toll sein. Ihr merkt ich mache mich darüber lustig und vielleicht bemerkt ihr ja auch die Absurdität des Ganzen.
Und über all dem Vergessen oder Verdrängen wir gar die einfachste Wahrheit die jedem von uns zu Grunde liegt: Eines Tages werden wir nicht mehr sein und alles von dem wir dachten es schützt uns vor dem Vergessen wird auch zerfallen. Vergänglichkeit. Unsere Größte Angst: der Verlust des Lebens.
Was kann ich also tun, im Angesicht dieser Nemesis der Menschheit, diesem großen Verschlinger? Nun, mir bleibt nicht viel zu tun, entweder ich fliehe weiterhin hinter Mauern die mich nie schützen werden oder ich stelle mich der Wahrheit und akzeptiere sie.
Ich fliehe nicht mehr in meinen Alltag, hinter materiellen Besitz, ich begrabe meine Angst nicht mehr unter einem Haufen Dinge, in der Hoffnung sie nicht mehr sehen zu müssen. Ich akzeptiere sie, halte sie in meiner Hand und betrachte sie wie wohl ein Kind einen seltsamen Käfer betrachtet der über seine Hand krabbelt.
Innerer Frieden ist nichts absolutes. Man hat keine Epiphanie und verbringt den Rest seiner Tage in einem Zustand der Glückseligkeit. Zumindest mir geht es darum jeden Tag diesen tiefen Brunnen zu erreichen in dem ich dieses stille ruhige „Etwas“ finden kann, das meinen Kopf klar und leicht macht und mein Herz langsamer schlagen lässt.
Ja ich habe einen Alltag, eine Routine, ein Zimmer das mein Rückzugsort vor der Welt ist, ich besitze Klamotten in denen ich ich gerne vor anderen zeige auf das sie mich für einen tollen Hecht halten, aber das ist nicht mehr alles.

Ach, manchmal können Worte auch nicht alles sagen.

Meh.

Nach langer procrastination habe ich entschieden nichts mehr über unsere Reise zu schreiben. Wer sich informieren will wende sich an all die anderen Blogs oder frage mich persönlich. Sorry